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Neues Medikament zur Behandlung der MS vorerst gestoppt
Die Substanz Natalizumab wurde entwickelt, um den Durchtritt von Immunzellen durch die Blut – Hirn – Schranke in das zentrale Nervensystem zu blockieren. Damit sollen Moleküle, welche das Anhaften von Immunzellen, die eine entzündliche Reaktion im zentralen Nervensystem bewirken, blockiert werden.
Natalizumab gehört zu der Gruppe der sogenannten monoklonalen Antikörper (darunter versteht man Eiweißstoffe, welche von einer Zelle oder einem Zellklon gebildet werden) und wurde in mehreren Studien bei MS – Patienten mit insbesondere schubförmigem Verlauf geprüft und im November 2004 in den USA zur Behandlung der MS zugelassen. Die Studienergebnisse waren vielversprechend, sowohl die Schubrate wie auch die Zahl der in der MRT nachgewiesenen Entzündungsherde wurde deutlich vermindert. Diese neue Therapie, welche in Form von monatlichen Infusionen verabreicht wird, führte bei Betroffenen und Ärzten verständlicherweise zu einer großen Erwartungshaltung.
In unserem MS – Zentrum wurde sehr häufig nach dieser Therapie gefragt, für Europa ist das Zulassungsverfahren im Laufen. Nach Abschluss der erfolgreichen Studien, welche auch eine sehr gute Verträglichkeit der Substanz belegten, wurde bei schließlich 2 MS – Patienten beobachtet, dass eine latente Infektion mit dem sogenannten JC – Papovavirus aktiviert wurde und zu der seltenen Erkrankung „PML“ führte. Es handelt sich dabei um eine sehr schwere demyelinisierende Erkrankung des zentralen Nervensystems.
Die weitere Therapie mit der Substanz Natalizumab wurde deshalb ausgesetzt, bis eine Klärung über einen Zusammenhang vorliegt. Erst nach Abschluss umfassender Sicherheitsuntersuchungen kann entschieden werden, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen Natalizumab zur Therapie der MS zur Verfügung steht. Wir werden selbstverständlich unsere Patienten weiterhin sehr gerne am Laufenden halten.
Prim. Dr. Ulf Baumhackl Präsident der Multiple Sklerose-Gesellschaft NÖ
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